Juni 26, 2010 Categorized under Fotografiegeschichte - 1 Comment

Julia Margaret Cameron

Julia Margaret Cameron - Gesicht eines Kindes - 1866

Julia Margaret Cameron - Gesicht eines Kindes - 1866

“Mein Bestreben ist es, die Fotografie zu veredeln und ihr den Charakter und die Wirkung einer hohen Kunst zu sichern, indem ich das Wirkliche und das Ideal verbinde und bei aller Verehrung für Poesie und Schönheit von der Wirklichkeit nichts opfere.”

Julia Margaret Cameron wurde 1815 in Kalkutta geboren und starb 1879 in Kalutara, Ceylon. Sie begann erst mit 48 Jahren zu fotografieren. Cameron war eine gebildete Frau, die vielfache Kontakte zu Künstlern und Wissenschaftlern ihrer Zeit pflegte. Ihre Fotografien wurden schon zu ihren Lebzeiten berühmt, jedoch hat sie nie mit der Fotografie Geld verdient, im Gegenteil lehnte sie sogar kommerzielle Portraitaufträge ab.

Arbeitsweise

Julia Margaret Cameron nutzte das damals übliche “Nasse Kollodiumverfahren” für ihre Fotografie. Dabei musste eine Glasplatte mehrfach mit Chemikalien behandelt werden und wurde sofort nach der Aufnahme entwickelt. Offenbar bereitete ihr diese Technik gerade am Anfang noch große Probleme und auch später hatte sie wohl noch Mühe mit einer sauberen Arbeitsweise. Zeitgenossen bemängelten z.B. übermäßig viele Staubeinschlüsse in ihren Platten. Aber auch im häuslichen Bereich hatte sie wohl durch ihre Impulsivität so manchen ‘Schaden’ verursacht. In ihrer Autobiografie schreibt sie dazu: „Mein Mann hat vom Anfang bis zum Ende jedes meiner Bilder erfreut betrachtet, und es ist mir zur täglichen Gewohnheit geworden, mit jeder Glasplatte zu ihm zu laufen und seinem enthusiastischen Beifall zuzuhören. Diese Angewohnheit, mit meinen nassen Bildplatten ins Esszimmer zu laufen, hat eine so große Anzahl von Tischdecken mit unentfernbaren Flecken von Silbernitrat verdorben, dass ich aus jedem weniger duldsamen Haushalt verbannt worden wäre …“.

Interessantes berichtet sie auch von ihrem Arbeitsplatz: „Mein Kohlenkeller wurde zur Dunkelkammer und ein gläsernes Hühnerhaus, das ich einst meinen Kindern geschenkt hatte, wurde mein Atelier; die Hennen wurden befreit und hoffentlich nicht gegessen. Meine Söhne verzichteten auf frisch gelegte Eier und alle sympathisierten mit meiner neuen Tätigkeit, seit die Gesellschaft von Hennen und Küken ersetzt wurde durch die von Dichtern, Propheten, Malern und liebenswerten jungen Frauen …“.

Camerons Bedeutung für die Fotografie

Viele von Margaret Camerons Fotografien hatten ein religiöses oder moralisches Thema. Zwar hat sie diese Themen in durchaus ungewöhnlicher und wohl auch fast revolutionärer Weise behandelt, jedoch sind uns die Moralvorstellungen der viktorianischen Zeit doch schon zu fern, als dass sie damit heute noch Relevanz hätte. Viel wichtiger ist in ihrem Werk aber der spezielle Umgang mit der fotografischen Technik, insbesondere mit Schärfe und Unschärfe, sowohl als selektive Schärfe als auch als Bewegungsunschärfe. Cameron war die erste Fotografin, die diese Stilmittel konsequent angewandt hat. Die plastische Wirkung, die sie mit diesen Stilmitteln erreichte, machen ihre Portraits auch heute noch zu einem Genuss. Dabei sah Cameron sich in ihrer Arbeitsweise durchaus angefeindet durch andere Fotografen. Im „Photographic Journal“ vom 15. Februar 1865 war zu lesen: „Mrs. Cameron stellt ihre Serien unscharfer Porträts von Berühmtheiten aus. Wir müssen der Dame Mut zur Originalität zugestehen, allerdings auf Kosten aller sonstigen photographischen Qualitäten“. Der  Schriftsteller und Fotograf Lewis Carroll, Autor von „Alice im Wunderland“ und ein Freund Camerons , berichtete: „Abends hatten Mrs. Cameron und ich eine gemeinsame Ausstellung unserer Photographien. Ihre waren alle vorsätzlich unscharf – einige sehr malerisch, andere bloß hässlich; sie aber sprach von ihnen, als wären sie der Gipfel der Kunst“. Cameron entgegnete: „Was bedeutet Schärfe – und wer hat das Recht zu sagen, welche Schärfe die richtige ist?“

Margaret Cameron hat sich bewusst von den präzisen und detailverliebten Darstellungen des fotografischen Handwerks abgewandt. Es ging ihr darum eine lebendige räumliche Modellierung ihrer Figuren zu schaffen. Neben dem inovativen Umgang mit Schärfe, setzte sie zudem  Belichtungszeiten von zwei bis sieben Minuten ein, die auch damals technisch nicht mehr unbedingt nötig waren. Da ihre Modelle in dieser Zeit regungslos bleiben mussten, wirken sie auf eine fast mystische Weise ernst und nachdenklich.


Juni 21, 2010 Categorized under Artists, Fundstücke - 1 Comment

Hans van der Meer – European Fields

Hans van der Meer - European Fields

Anlässlich der gerade stattfindenden Fußball-WM,  habe ich mich auf die Suche begeben nach Fotografie, die sich auf anspruchsvolle Weise und jenseits der üblichen Sportberichterstattung mit dem Thema Fußball befasst. Ich bin dabei auf die Arbeiten des niederländischen Fotografen Hans van der Meer gestossen. Van der Meer hat die Fußballplätze der Amateurliga-Clubs Europas besucht und diese im Kontext der Landschaft und Umgebung portraitiert. Die Verbindung von hervorragender Landschaftsfotografie und den zum großen Teil einfachen ‘Bolzplätzen’ mit ihren spielenden Protagonisten ist überaus spannend – und manchmal auch kurios.

Van der Meers Arbeit ist als Buch veröffentlicht. Auf seiner Webseite gibt es eine reichliche Auswahl an beeindruckenden Bildern: klick

Juni 18, 2010 Categorized under Aktuelle Ausstellungen, Artists - 1 Comment

Larry Sultan in der Kestnergesellschaft

Der amerikanische Fotokünstler Larry Sultan ist hierzulande nicht sonderlich bekannt. Dies könnte die Ausstellung in der Kestnergesellschaft in Hannover, die in der Zeit vom 11.Juni bis zum 22. August zu sehen ist, helfen zu ändern. Sultan selbst hatte noch bei der Konzeption der Ausstellung mitgewirkt, bevor er 2009 im Alter von 63 Jahren verstarb.

Sultan zählt zu den Protagonisten amerikanischer konzeptueller Fotografie. Er beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit seiner kalifornischen Heimat, insbesondere mit den Vororten der großen Städte. Trotz der konzeptuellen Arbeitsweise gelingen ihm dabei äußerst pittoreske und emotional aufgeladene Bilder, denn es steht immer auch der Mensch im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Hier der Link zur Ausstellung: klick

Hier noch einige Bilder: klick

Und hier noch ein interessanter Artikel über ihn: klick

Juni 9, 2010 Categorized under Artists, Fundstücke - No Comment

Steven Barritt – Anachronisms

Der in London lebende Fotograf, Steven Barritt, zeigt auf seiner Internetseite eine Serie von Portraits junger Künstler. In der Gestaltung, Lichtführung und Ausstrahlung orientieren sich seine Fotografien dabei an alter Portraitmalerei, z.B. der von Rembrandt. Gerade die Verbindung von Gegenwart und “Anachronismus” machen den Reiz dieser Serie aus. Sehr sehenswert!

Hier geht es zu den Bildern: klick

Juni 7, 2010 Categorized under Aktuelle Ausstellungen, Artists - No Comment

Michael Schmidt im Haus der Kunst

Die Münchener haben es derzeit gut, -die können sich nämlich bis zum 22. August die Ausstellung “Grau als Farbe” mit 390 Bildern von Michael Schmidt im Haus der Kunst in München anschauen. Michael Schmidt arbeitet in seinen Bildern ausschließlich in Schwarzweiß und analog. Er ist sicherlich einer der bedeutensten und einflußreichsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit.

Infos zur Ausstellung gibt es hier: klick

Und einen Wikipedia-Artikel über Michael Schmidt gibt es hier: klick

Juni 3, 2010 Categorized under Fundstücke - No Comment

Webseite des 3. Internationalen Fotobuch Festivals

Vom 13.-16. Mai fand in Kassel das 3. internationale Fotobuchfestival statt. Zu diesem Festival gibt es eine sehr sehenswerte Webseite, auf der sich insbesondere auch einige Bücher befinden, die man per Flash-Animation durchblättern kann. Lohnenswert für jeden, der sich für Fotobücher interessiert und sich über die neuesten Trends der Fotokunst informieren möchte.

Hier der Link: Fotobookfestival

Juni 2, 2010 Categorized under Aktuelle Ausstellungen, Artists - No Comment

Einzelausstellung Gabriel Benaim

Der 1969 geborene israelische Fotograf, Gabriel Benaim, zeigt in der Züricher Galerie “Kellerkunst” erstmals in einer Einzelausstellung seine Bilder der ‘weissen Stadt am Meer’,  Tel Aviv. Benaim arbeitet seit einiger Zeit mit einer 8×10 inch Großformatkamera. Durch sorgfältige Auswahl des Aufnahmestandortes gelingt ihm eine außergewöhnliche Raumorganisation in seinen Bildern. Bei den ausgestellten Bildern handelt es sich ausnahmslos um Kontaktabzüge der großen Schwarzweißnegative. Die Ausstellung läuft bis zum 12.Juni unter dem Titel “Tel Aviv at 100″ (eine Anspielung auf die hundertjährige Geschichte der Stadt).

Gabriel Benaim

Galerie Walter Keller

Mai 30, 2010 Categorized under Filmentwicklung - 1 Comment

Kodak Tri-X

Der Kodak Tri-X ist vermutlich der berühmteste Schwarzweißfilm der Welt. Es gibt ihn als Rollfilm und Kleinbildfilm seit 1954 und viele Fotografie-Legenden haben ihn seitdem benutzt. Unsere Vorstellung von Schwarzweißfotografie ist zum Teil sicher auch von der speziellen Anmutung dieses Films geprägt. Ich habe den Film daher noch einmal in zwei verschiedenen Entwicklern verglichen.

Beim Kodak Tri-X handelt es sich um einen hochempfindlichen Schwarzweißfilm, der eine Nennempfindlichkeit von 400 ASA hat. Er lässt sich jedoch problemlos zwischen 200 und 1600 ASA belichten und erzielt dann bei angepasster Entwicklung ebenfalls hervorragende Ergebnisse. Ich habe ihn bisher zwischen 200 und 800 ASA in Ilford ID-11 und Agfa Rodinal getestet. Read more…